
Wo wurde Cannabis zuerst entdeckt? Von Taiwan bis ins Pamir-Gebirge
Hanffasern in Taiwan, verbrannter Hanf in Rumänien, THC-Spuren in Kohlebecken im Westen Chinas: wo Mensch und Pflanze sich zuerst begegnet sind, Region für Region.
Die ältesten Spuren führen nach Asien: In Taiwan nutzten Menschen schon um 8000 v. Chr. Hanffasern, in China beschreibt ein medizinisches Werk, das traditionell auf 2737 v. Chr. datiert wird, Cannabis als Heilmittel, und im Pamir-Gebirge im Westen Chinas belegen Funde von etwa 500 v. Chr., dass Cannabis wegen seiner Rauschwirkung geraucht wurde. Eines der ersten Dokumente, die seine Eigenschaften erwähnen, ist ein chinesisches Arzneibuch, das Kaiser Shen Nung zugeschrieben wird.
Der Text, den die Überlieferung auf 2737 v. Chr. datiert, beschreibt Cannabis als Medizin gegen verschiedene Leiden wie Rheuma, Gicht und Malaria und erwähnt sogar seinen möglichen Nutzen bei Zerstreutheit und Konzentrationsschwäche.
Ein kurzer Blick in die Geschichte von Cannabis
Die Entdeckung und frühe Nutzung von Cannabis durch den Menschen reicht weit zurück, lange bevor es geschriebene Geschichte gab. Die genauen Daten sind oft unsicher, aber archäologische Funde und historische Quellen geben uns eine Vorstellung davon, wann alte Kulturen begonnen haben, Cannabis zu nutzen.

Schätzungen zufolge begannen Menschen um 8000 v. Chr. in einem Dorf auf Taiwan, Hanf anzubauen und seine Fasern zu Stoffen zu verarbeiten. Anfangs ging es vor allem um Textilien, doch archäologische Funde deuten darauf hin, dass man um 3500 v. Chr. bereits Hanf verbrannte – das zeigen Grabhügel im heutigen Rumänien.
Dieser Wandel zeigt, dass die Pflanze vielseitiger genutzt wurde, und wahrscheinlich beginnt in dieser Zeit die Nutzung von Cannabis jenseits von Fasern und Stoffen.
Die Anfänge der medizinischen Nutzung
Auch als Medizin wurde Cannabis im Lauf der Geschichte breit eingesetzt. Das älteste bekannte chinesische Arzneibuch, das „Pen Ts’ao Ching“, wird Shen Nung zugeschrieben, den die Überlieferung um 2737 v. Chr. ansiedelt, und beschreibt die medizinische Verwendung von Cannabis. Diese Praxis verbreitete sich über Kulturen und Kontinente hinweg und machte das Wissen über die heilenden Eigenschaften der Pflanze bekannt.
Seit wann wird Cannabis zum Berauschen genutzt?
Der Konsum wegen der psychoaktiven Wirkung ist dagegen erst aus späterer Zeit belegt. 2019 gelang im Pamir-Gebirge im Westen Chinas ein wichtiger Fund: Forschende entdeckten Kohlebecken aus Holz mit hohen Konzentrationen des Cannabinoids Tetrahydrocannabinol (THC).
Der Fund wird auf etwa 500 v. Chr. datiert und ist ein handfester Beleg dafür, dass Menschen Cannabis seit mindestens 2500 Jahren wegen seiner Rauschwirkung konsumieren. Er wirft ein neues Licht auf die lange Geschichte des Kiffens.
Von China nach Indien
Als sich Cannabis von China nach Indien und später nach Nordafrika ausbreitete, wurde es nicht mehr nur als Medizin, sondern auch zum Genuss genutzt. Vor allem in Indien ist der Konsum als Rauschmittel dokumentiert. In der islamischen Welt, wo der Koran Alkohol verbot, wurde Cannabis zur beliebten Alternative.
In diesem Umfeld verbreiteten Muslime Haschisch, eine konzentrierte Form von Cannabis, das im 12. Jahrhundert in Persien (dem heutigen Iran) und in Nordafrika schnell populär wurde. Anfangs schätzte man vor allem seine medizinischen Eigenschaften, mit der Zeit verbreitete sich aber auch der Konsum zum Vergnügen – gerade dort, wo Alkohol aus religiösen Gründen tabu war.
Medizinisches Cannabis in der Neuzeit
In der jüngeren Geschichte spielte Cannabis in vielen Kulturen weltweit eine wichtige Rolle als Medizin. Als im 19. Jahrhundert die moderne Medizin entstand, war medizinisches Cannabis in zahlreichen Ländern ein allgegenwärtiges Heilmittel.
Der irische Arzt William O’Shaughnessy holte Cannabis in den 1830er-Jahren als einer der Ersten zurück in die westliche Medizin. Nachdem er in Indien gesehen hatte, wie Patienten davon profitierten, führte er Cannabistinkturen in die britische Medizin der viktorianischen Zeit ein. Eingesetzt wurden sie bei allen möglichen Beschwerden, von Rheuma bis Epilepsie.
In den 1840er-Jahren forschte der französische Arzt Jacques-Joseph Moreau weiter an Cannabis und festigte seinen Platz in der frühen westlichen Medizin. Moreau beobachtete positive Effekte bei Kopfschmerzen, zur Appetitanregung und für besseren Schlaf.

In den 1850er-Jahren hatte sich medizinisches Cannabis in weiteren Ländern verbreitet, darunter die USA, wo es bei ganz unterschiedlichen Leiden wie Nervenschmerzen, Gicht und Opiatabhängigkeit eingesetzt wurde.
Und wie sieht es heute aus?
Trotz der breiten medizinischen Nutzung im 19. und frühen 20. Jahrhundert nahm das rechtliche Schicksal von Cannabis in vielen Ländern eine drastische Wende. Es begann eine Zeit von Verbot und Kriminalisierung, die fast ein Jahrhundert dauerte. Um die Jahrtausendwende drehte sich der Wind jedoch, und eine neue Welle der Legalisierung setzte ein – ein Meilenstein dafür, wie Cannabis wahrgenommen und reguliert wird.
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