Cannabis decarboxylieren: So aktivierst du THC im Ofen, in der Mikrowelle oder im Wasserbad
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Cannabis decarboxylieren: So aktivierst du THC im Ofen, in der Mikrowelle oder im Wasserbad

Rohes Gras macht nicht high: was beim Decarboxylieren chemisch passiert und mit welchen Temperaturen und Zeiten du THC aktivierst.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Decarboxylierung heißt: Du erhitzt Cannabis, damit sich die inaktive THC-Säure (THCA) in psychoaktives THC verwandelt. Beim Rauchen oder Verdampfen passiert das automatisch, für Edibles, Tinkturen und Salben musst du die Blüten vorher selbst aktivieren – zum Beispiel 45 bis 50 Minuten bei 105 °C im Backofen. Rohes Cannabis macht also nicht high, egal wie gut dein Grow war.

Aber warum ist das so? Und was braucht es, damit Gras die bekannte Wirkung entfaltet?

Der Schlüssel: decarboxyliertes Cannabis

Decarboxyliertes THCA wird zu THC, dem Stoff, der für das typische Kopfhigh und die anregende Wirkung von Cannabis verantwortlich ist. Rauchst oder verdampfst du Cannabis, wird es automatisch decarboxyliert – durch die Hitze der Glut im Joint oder die Hitze im Vaporizer.

Heißt: THC liegt im rohen Zustand als Säure vor und braucht nach dem Trocknen Hitze, um aktiv und psychoaktiv zu werden. Und hier kommt dieses Wort ins Spiel, über das jeder erst mal stolpert: Decarboxylierung.

Cannabis decarboxylieren

Was ist Decarboxylierung?

Decarboxylierung ist die Reaktion, bei der die Cannabinoide in Cannabis durch Hitze aktiviert werden. Und was passiert dabei genau?

Die Decarboxylierung ist entscheidend, um die psychoaktiven Stoffe in Cannabis- und Hanfpflanzen zu aktivieren. Bei Material zum Rauchen passiert das ganz von selbst, die Flamme erledigt den Job. Für Edibles, Tinkturen und Salben ist es dagegen ein sorgfältiger Schritt, der schon vorher in der Herstellung passiert.

Cannabis zu decarboxylieren heißt, Cannabis oder Hanf zu erhitzen, um die Cannabinoide in Blüten, Schnittresten, Blättern oder Kief zu aktivieren. Erst dadurch erleben Konsumenten die typische, berauschende Wirkung der Pflanze und ihrer Wirkstoffe.

Was passiert beim Decarboxylieren im Cannabis?

Bei allen Methoden geht es vor allem um die Cannabinoidsäuren, auch inaktive Cannabinoide genannt, die in den Trichomen der Pflanze sitzen. Trichome findest du vor allem auf den Blüten, in kleineren Mengen aber auch auf Blättern und Stängeln.

Wird Cannabis erhitzt, ändert sich die Molekülstruktur der Cannabinoidsäuren. Beim Decarboxylieren verlieren sie eine Carboxylgruppe (-COOH) in Form von Kohlendioxid und behalten dabei ein Wasserstoffatom.

Die Chemie dahinter: von THCA zu THC, von CBDA zu CBD

Cannabinoidsäuren haben 22 Kohlenstoffatome, 30 Wasserstoffatome und vier Sauerstoffatome. Abgespalten werden ein Kohlenstoff- und zwei Sauerstoffatome (CO2). Fällt diese Gruppe weg, sinkt zum Beispiel die Molekülmasse von THCA um etwa 12 Prozent, und es entsteht aktives THC.

Aktivierte Cannabinoide docken am Endocannabinoid-System (ECS) an, einem Netz aus Cannabinoid-Rezeptoren im ganzen Körper, auch im zentralen und peripheren Nervensystem. Eine Handvoll großer und kleiner Cannabinoide sorgt dabei für ganz unterschiedliche Wirkungen, von Euphorie bis Entspannung.

Wie decarboxylierst du Cannabis?

Bevor du loslegst, musst du das Gras in kleine Stücke zerkleinern – mit dem Grinder oder etwas Ähnlichem.

Decarboxylierung braucht Temperatur und Zeit, also eine bestimmte Hitze über eine bestimmte Dauer. Das eine richtige Rezept gibt es nicht, auch nicht für CBD. Unser Tipp: Nimm die niedrigste Temperatur, die funktioniert, dann bleiben möglichst viele Terpene und Cannabinoide in guter Qualität erhalten. 

Am besten klappt das Decarboxylieren im Backofen: 45 bis 50 Minuten bei 105 °C. Welche Temperatur genau passt, hängt aber auch vom Gras ab, das du vor dir hast.

Schneller geht es auch: In gerade mal 30 Minuten, wenn du auf maximal 120 °C hochgehst.

Cannabis im Backofen decarboxylieren: Schritt für Schritt

  • Leg ein Backblech mit Backpapier aus
  • Verteil das zerkleinerte Gras darauf in einer dünnen, möglichst gleichmäßigen Schicht
  • Heiz den Ofen auf 105 °C vor
  • Ist die Temperatur erreicht, schieb das Blech mit dem Gras rein
  • Warte 45 bis 50 Minuten
  • Hol dein aktiviertes Gras raus

Weitere Methoden zum Decarboxylieren:

Decarboxylieren in der Mikrowelle

Manche schwören auf diese Methode, weil sie so schnell ist. Trotzdem Vorsicht: Dabei können viele der Stoffe kaputtgehen, auf die du es abgesehen hast.

Der Vorteil laut ihren Fans: Das Gras verbrennt seltener als im Backofen. So geht’s:

  • Gras zerkleinern
  • Auf einen Teller legen
  • Den Teller mit dem Gras in die Mikrowelle stellen
  • 3 Minuten auf mittlerer Stufe erhitzen
  • Rausnehmen – dein Cannabis ist fertig decarboxyliert.

Decarboxylieren im Wasserbad (Sous-vide)

Diese Methode ist weniger verbreitet, aber nicht kompliziert. Für die Decarboxylierung von Cannabis im Wasserbad musst du es vakuumieren und eine Stunde lang „garen“:

  • Brich das Gras nur grob auseinander, ohne es zu grinden – die Stücke dürfen größer bleiben.
  • Gib es in einen Beutel und schweiß ihn mit einem Vakuumierer zu.
  • Bring Wasser in einem Topf zum Kochen.
  • Sobald es kocht, dreh die Hitze runter, bis das Wasser bei 95 °C bleibt.
  • Leg den Beutel in den Topf.
  • Eine Stunde warten – fertig ist dein aktiviertes Gras.

Muss Cannabis immer decarboxyliert werden?

Für den Konsum ist die Decarboxylierung ein entscheidender Schritt, aber nicht jedes Cannabis muss decarboxyliert werden.
Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass nicht decarboxyliertes THCA beim Menschen verschiedene Effekte haben könnte:

  • Entzündungshemmend
  • Nervenschützend
  • Gegen Übelkeit
  • Krampflösend
  • Bronchienerweiternd
  • Stoffwechselregulierend
  • Stressreduzierend

Auch für CBDA in roher Pflanze werden mögliche Effekte untersucht: angstlösend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, gegen Übelkeit und krampflösend. Zur Temperatur beim Decarboxylieren: Das THCA in den Trichomen beginnt bei etwa 104 °C zu decarboxylieren. Bei CBD-reichen Sorten startet die Decarboxylierung von CBDA bei 118 °C und kann bis zu 90 Minuten dauern, bis sie vollständig ist.