Hilft Cannabis gegen Entzündungen? Was Studien und Patienten sagen
GESUNDHEIT

Hilft Cannabis gegen Entzündungen? Was Studien und Patienten sagen

Von Arthritis über Lupus bis zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen: Die Hinweise auf eine entzündungshemmende Wirkung von CBD und THC sind ermutigend, die Beweise am Menschen noch dünn.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Ob Cannabis gegen Entzündungen hilft, ist noch nicht abschließend geklärt – aber die Hinweise sind vielversprechend: Studien, vor allem an Tieren, deuten darauf hin, dass Cannabinoide wie THC und CBD entzündungshemmend wirken können. Cannabis wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze bei allen möglichen Beschwerden genutzt, und gerade beim Thema Entzündungen gehört es zu den spannendsten Forschungsfeldern.

Die Wirkstoffe docken am Endocannabinoid-System an, das im Körper eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Immunantwort und Entzündungen spielt. Über diesen Weg könnte Cannabis Entzündungen dämpfen, Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern – Patient:innen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis, Colitis ulcerosa und ähnlichen Leiden berichten genau davon.

Cannabis gegen Entzündungen: ein vielversprechendes Forschungsfeld

Wie Cannabis bei Entzündungen wirkt, wird für eine ganze Reihe von Erkrankungen erforscht. Ein Großteil der Forschung aus dem letzten Jahrzehnt stammt allerdings aus Tierversuchen – es braucht also dringend mehr Studien und klinische Tests am Menschen. Trotzdem ist die bisherige Datenlage ermutigend, vor allem was CBD angeht.

Was Studien zu medizinischem Cannabis und Entzündungen zeigen

Arthritis-Schmerzen lindern

Ein Artikel von Medical News Today aus dem Jahr 2018 ging der Frage nach, ob CBD-Öl Arthritis-Schmerzen lindern kann. Er verweist auf Tierstudien, in denen CBD entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkte.

CBD beeinflusst Rezeptoren im Gehirn und im Immunsystem, was Schmerzen und Entzündungen möglicherweise reduzieren kann.

Das therapeutische Potenzial von CBD-Öl

Eine Arbeit aus dem Jahr 2011 in der Fachzeitschrift Free Radical Biology and Medicine untersuchte, welche Rolle CBD bei verschiedenen entzündungsbedingten Erkrankungen spielen könnte.

George W. Booz, Professor am Institut für Pharmakologie und Toxikologie des University of Mississippi Medical Center, kam zu dem Schluss: „Entzündungen und oxidativer Stress sind eng an der Entstehung vieler menschlicher Krankheiten beteiligt.

Diesen Zusammenhang therapeutisch aufzulösen hat sich als schwierig erwiesen, auch weil Entzündung und oxidativer Stress sich gegenseitig ‚füttern‘. CBD scheint jedoch wegen seiner (wenn auch eher bescheidenen) antioxidativen und seiner entzündungshemmenden Wirkung auf Immunzellen ein vielversprechender Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Medikamente zu sein.“

Übersichtsarbeit von 2016: mehr Forschung nötig

Auch eine Literaturübersicht von 2016 in BioMed Research International sah in CBD ein vielversprechendes Forschungsthema. Ihr wichtigstes Fazit passt zum Rest dieses Artikels: Bevor sich daraus Behandlungen ableiten lassen, braucht es dringend mehr Forschung, vor allem am Menschen.

Die klinische Studie der University of Colorado

Eine klinische Studie an der University of Colorado in Boulder, die 2018 begann, sollte einen Teil dieser dringend nötigen Forschung liefern. Die Forschenden wollten untersuchen, wie sich Entzündungswerte vor und nach dem Cannabiskonsum verändern – im Verhältnis zu den THC- und CBD-Spiegeln im Blut.

Als dieser Artikel ursprünglich entstand, steckte die Studie noch in einer frühen Phase und suchte Teilnehmende – ob und was inzwischen veröffentlicht wurde, prüfst du am besten in aktuellen Quellen.

Was Patient:innen berichten

Medizinisches Cannabis bei Lupus

Entzündete Gelenke, Hautausschlag und lang anhaltende Erschöpfung gehören zu den typischen Symptomen von Lupus. Lupus Corner veröffentlichte die Ergebnisse einer Umfrage unter 781 Menschen mit Lupus dazu, wie sie Cannabis bei ihrer Autoimmunerkrankung nutzen.

36 % der Befragten gaben an, Cannabis zu nutzen – geraucht, als CBD-Öl oder auf anderem Weg, etwa als Edibles. Von denen, die Cannabis gezielt gegen ihre Lupus-Symptome einsetzten, würden es 83 % anderen Betroffenen empfehlen.

Erstaunliche 96 % der Befragten sagten, ihre Ärztinnen und Ärzte hätten mit ihnen nie über Cannabis als Option bei Lupus gesprochen – die meisten suchen sich medizinisches Cannabis also auf eigene Faust.

Nach schmerzhaften Operationen

Andere Patient:innen nutzen Cannabis, um sich von schmerzhaften Operationen zu erholen. Catherine McCormick, 53, bekam ein künstliches Kniegelenk und setzte danach die hoch dosierten Schmerzmittel ab – Ibuprofen und einen Cocktail aus weiteren Medikamenten.

Der New York Times erzählte McCormick 2018, wie das Kiffen ihre Lebensqualität verbessert hat: „Ich habe mehr Energie. Ich kann laufen. Ich habe keine Schmerzen. Mir geht es viel besser.“

Was diese Patient:innen erleben, könnte teilweise an den entzündungshemmenden Eigenschaften der Terpene im Cannabis liegen. Valencen, Cymol, Menthol und Terpineol sind nur einige der Terpene, bei denen mögliche entzündungshemmende Effekte beobachtet wurden.

Was Fachleute sagen

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Manche Forschende sind optimistisch, was Cannabis bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leisten könnte. Konkret könnten Endocannabinoide einen Signalweg anstoßen, der die Entzündungsreaktion des Körpers herunterfährt.

Der Pharmakologe Randy Mrsny, Ph.D., erklärte 2018 in einem Artikel von Science Alert: „Wir müssen klar sagen: Das ist zwar eine plausible Erklärung dafür, warum Cannabiskonsumenten berichten, dass Cannabis ihre CED-Symptome lindert, aber bisher haben wir das nur an Mäusen untersucht und nicht experimentell am Menschen getestet. Wir hoffen trotzdem, dass diese Erkenntnisse helfen, neue Behandlungswege für Darmerkrankungen beim Menschen zu entwickeln.“

CBD-Forschung und Schmerzlinderung mit CBD-Öl

In einem Artikel für Harvard Health Publishing schrieb Dr. Peter Grinspoon 2018 über die bisherige Forschung zu CBD und Schmerzlinderung bei einer Vielzahl entzündungsbedingter Beschwerden.

„CBD könnte eine Option zur Behandlung verschiedener Arten chronischer Schmerzen sein“, schrieb er. „Eine Studie im European Journal of Pain zeigte an einem Tiermodell, dass auf die Haut aufgetragenes CBD Schmerzen und Entzündungen durch Arthritis lindern könnte.“

„Eine weitere Studie zeigte den Mechanismus, über den CBD entzündliche und neuropathische Schmerzen hemmt – zwei der am schwersten behandelbaren Formen chronischer Schmerzen. Es braucht mehr Studien am Menschen, um die Behauptungen der CBD-Befürworter zur Schmerzbehandlung zu untermauern.“

Warum es mehr Forschung zu medizinischem Cannabis braucht

Der rote Faden durch alle Studien und Expertenmeinungen: Es braucht mehr Forschung. Weitere klinische Studien wie die an der University of Colorado in Boulder sind entscheidend, um zu verstehen, was Cannabis bei chronischen Entzündungen leisten kann – und wo seine Grenzen liegen.