Cannabis in der Palliativversorgung: Hilft es wirklich gegen Krebsschmerzen?
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Cannabis in der Palliativversorgung: Hilft es wirklich gegen Krebsschmerzen?

Viele Betroffene schwören darauf, eine Übersicht über 14 Studien bleibt skeptisch: was Cannabis-Medikamente bei Krebsschmerzen bisher leisten.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT


Viele Palliativpatient:innen berichten, dass Cannabis ihnen hilft, Beschwerden wie Schmerzen, Angst, Appetitlosigkeit oder Schlafprobleme besser zu ertragen. Bei Krebsschmerzen ist die Studienlage aber ernüchternd: Eine Übersichtsarbeit über 14 Studien fand keinen klaren Vorteil von Cannabis-Medikamenten gegenüber Placebo. Trotzdem wird Cannabis in der Palliativmedizin, die die Lebensqualität von Menschen mit chronischen oder unheilbaren Erkrankungen verbessern will, immer häufiger diskutiert.

Wir schauen uns an, welche Eigenschaften von Cannabis in der Palliativbehandlung als hilfreich gelten. Ob Schmerzlinderung, weniger Angst, mehr Appetit oder besserer Schlaf: Manche Patient:innen berichten, dass Cannabis ihr Wohlbefinden trotz schwerer Erkrankung verbessert. Die wissenschaftliche Evidenz ist allerdings durchwachsener, als oft angenommen wird.

Bekannt ist, dass Cannabinoide, die Wirkstoffe der Cannabispflanze, mit dem Endocannabinoid-System des menschlichen Körpers interagieren. Das könnte bei der Behandlung von Symptomen schwerer Erkrankungen helfen. Im Folgenden geht es darum, inwieweit Cannabis Menschen in der Palliativversorgung Linderung und etwas mehr Wohlbefinden bringen kann und was die Forschung dazu tatsächlich hergibt.

Hilft Cannabisöl gegen Krebsschmerzen?

Schmerzen sind für Menschen mit Krebs eine große Belastung und drücken Lebensqualität und Wohlbefinden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt bei mittleren bis starken Krebsschmerzen Opioide, also morphinähnliche Medikamente. Trotzdem bekommt Schätzungen zufolge jede sechste bis zehnte Person mit diesen Standardmitteln keine ausreichende Schmerzlinderung.

Hintergrund: Cannabis als Schmerzmittel bei Krebs

Auf der Suche nach wirksamen Alternativen hat man untersucht, ob cannabisbasierte Produkte Krebsschmerzen lindern können. Dazu gehören inhalierte oder geschluckte Cannabispflanze genauso wie Öle, Sprays oder Tabletten mit Wirkstoffen, die aus der Pflanze gewonnen oder synthetisch hergestellt werden. Manche Betroffene berichten zwar, dass ihnen Cannabis-Medikamente helfen, aber Wirksamkeit und Sicherheit müssen systematisch überprüft werden.

Ziel der Übersichtsarbeit:

Die Arbeit sollte vor allem klären, ob Cannabis-Medikamente Krebsschmerzen lindern und welche unerwünschten oder schädlichen Wirkungen mit ihnen einhergehen.

Methode:

Ausgewertet wurden klinische Studien, die Cannabis-Medikamente mit anderen Behandlungen von Krebsschmerzen bei Erwachsenen verglichen. Die Ergebnisse wurden bewertet und die Verlässlichkeit der Evidenz eingestuft, unter anderem nach Studiendesign und Studiengröße.

Ergebnisse:

Insgesamt flossen 14 Studien mit 1.823 Teilnehmenden ein, mit unterschiedlicher Dauer und Dosierung der Cannabis-Medikamente. Die meisten Studien liefen in Nordamerika, und mehrere wurden von Pharmafirmen finanziert.

Untersucht wurden sowohl pflanzliche Produkte mit THC und CBD als auch synthetische Cannabinoide, die die Wirkung von THC nachahmen. Studien mit der Cannabispflanze selbst gab es keine.

Schlussfolgerungen:

Die Übersichtsarbeit gibt einen umfassenden Einblick in Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis-Medikamenten bei Krebsschmerzen. Die Ergebnisse zeigen vor allem: Es braucht mehr Forschung, um zu verstehen, welche Rolle diese Mittel in der Schmerztherapie von Krebspatient:innen spielen können.

Cannabis gegen Krebsschmerzen: die wichtigsten Ergebnisse

Wirkt ein Mundspray mit THC und CBD?

Ein Mundspray mit pflanzlichem THC und CBD senkte mittlere bis starke Krebsschmerzen trotz Opioid-Therapie nicht nennenswert stärker als ein Placebo.

Laut den Daten berichteten rund 32 % der Menschen mit dem Cannabis-Spray von einer deutlichen Besserung, in der Placebogruppe waren es 23 %.

Außerdem brachen mit dem Cannabis-Spray 19 % die Behandlung ab, etwas mehr als die 16 % in der Placebogruppe. Bei schweren Nebenwirkungen gab es keinen nennenswerten Unterschied zwischen den Gruppen.

Synthetische Cannabinoide: besser als Placebo?

Ein synthetisches Cannabinoid, das die Wirkung von THC nachahmt, linderte Schmerzen durch Chemo- oder Radiochemotherapie bei Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren und bestimmten Lungenkrebsarten nicht besser als ein Placebo.

Im Vergleich mit einem morphinähnlichen Mittel

Nach dem Absetzen der bisherigen Schmerzmittel senkte eine Einzeldosis eines synthetischen, THC-ähnlichen Cannabinoids mittlere bis starke Krebsschmerzen nicht spürbar anders als eine kleine Einzeldosis eines morphinähnlichen Medikaments, gemessen über drei bis viereinhalb Stunden.

CBD-Tropfen in der Palliativversorgung: Was bringen sie?

CBD scheint zusätzlich zur üblichen Palliativversorgung keinen weiteren Vorteil bei Schmerzen von Menschen mit fortgeschrittenem Krebs zu bringen. So das Ergebnis der einzigen dazu verfügbaren Studie.

Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Mit mittlerer Verlässlichkeit lässt sich sagen, dass ein Mundspray mit THC und CBD starke Krebsschmerzen trotz Opioid-Therapie nicht verringert. Die Studien haben aber Schwächen, etwa fehlende Angaben zu allen eingesetzten Behandlungen.

Gering ist die Verlässlichkeit der Ergebnisse zur Wirkung synthetischer Cannabinoide auf Schmerzen durch Chemo- oder Radiochemotherapie und zum Vergleich mit morphinähnlichen Mitteln, weil es nur wenige Daten und kleine Studien gibt.

Ebenso gering ist die Verlässlichkeit der Daten zur Wirksamkeit von CBD in der Palliativversorgung, weil es dazu kaum Studien gibt.