Cannabis und Pille: Gibt es Wechselwirkungen mit hormoneller Verhütung?
NOTIZEN

Cannabis und Pille: Gibt es Wechselwirkungen mit hormoneller Verhütung?

THC macht die Pille nicht unwirksam, bei CBD und östrogenhaltigen Präparaten ist die Lage weniger klar: was die Forschung bisher weiß.

VON CosechaLibre Redaktion3 MIN LESEZEIT

Dass Kiffen die Pille oder andere hormonelle Verhütungsmittel unwirksam macht, ist nicht belegt. CBD könnte aber den Abbau östrogenhaltiger Präparate in der Leber beeinflussen, und THC kann wie manche östrogenhaltige Präparate den Blutdruck erhöhen. Wie Cannabis und hormonelle Verhütung zusammenspielen, interessiert Ärzt:innen genauso wie alle, die kiffen und verhüten.

Hormonelle Verhütungsmittel wie Pille, Pflaster und Vaginalring sind weit verbreitet und verhindern eine Schwangerschaft, indem sie den Hormonhaushalt regulieren. Beim Cannabiskonsum stellt sich aber die Frage, ob er die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Methoden beeinflussen kann.

Hier schauen wir uns an, was die Forschung zu möglichen Wechselwirkungen zwischen Cannabis und hormoneller Verhütung sagt und was das für deine reproduktive und sexuelle Gesundheit bedeutet.

Kann Cannabis die Hormone beeinflussen, auf die die Verhütung setzt?

In den USA verhüten etwa 65 % der Frauen. Cannabis enthält über 120 Wirkstoffe, da ist es denkbar, dass einige davon mit Verhütungsmitteln wechselwirken, vor allem mit hormonellen.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC und die Arzneimittelbehörde FDA sehen im Cannabiskonsum allerdings keine Gegenanzeige für Verhütungsmittel, egal in welcher Form.

Es gibt keine Belege dafür, dass Kiffen die Wirkung der Pille abschwächt. Typische THC-Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Angst könnten aber die hormonellen Nebenwirkungen von Pille, Hormonspirale, Pflaster, Ring oder Implantat verstärken.

CBD und Pille: Was passiert?

CBD, ein weiteres Cannabinoid aus der Pflanze, könnte dagegen beeinflussen, wie die Leber bestimmte Medikamente abbaut, darunter auch manche hormonelle Verhütungsmittel.

Die Datenlage ist dünn, aber es gibt Hinweise, dass CBD östrogenhaltige Verhütungsmittel beeinflussen kann, reine Gestagenpräparate dagegen offenbar nicht. Für alle, die CBD und Verhütung kombinieren wollen, könnten gestagenbasierte Methoden daher die sicherere Wahl sein, bestätigt ist das aber noch nicht.

Kiffen und Pille: mögliche Risiken und Nebenwirkungen

THC und manche östrogenhaltige Verhütungsmittel können beide den Blutdruck erhöhen. Zusammen könnte das das Risiko für Herzprobleme steigern. Wer schon Herzprobleme oder Bluthochdruck hatte, sollte vor der Kombination von THC und hormoneller Verhütung ärztlichen Rat einholen.

Verhütungsmittel sind an sich meist sicher, bergen aber mögliche Risiken, darunter:

  1. Blutgerinnsel (Thrombosen)
  2. Herzinfarkt
  3. Schlaganfall
  4. Lebertumoren

Allgemeiner betrachtet beeinflusst das Endocannabinoid-System (ECS) die reproduktive Gesundheit und Fruchtbarkeit, es ist an der Eizellreifung und der Embryonalentwicklung beteiligt. Wie THC in Kombination mit Verhütungsmitteln auf die Fruchtbarkeit wirkt, muss noch genauer erforscht werden.

Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch rät die aktuelle Forschung, auf Cannabis zu verzichten, weil es die Schwangerschaft beeinträchtigen kann. Auch stillende Mütter sollten keine Cannabisprodukte konsumieren, denn THC kann in die Muttermilch übergehen und dem Baby schaden.

Wechselwirkungen zwischen CBD und hormonellen Verhütungsmitteln

Das Zusammenspiel von CBD und Östrogen kann verschiedene Folgen haben: von einer schwächeren Verhütungswirkung bis zu einem veränderten Abbau der Wirkstoffe im Körper, was Müdigkeit und Zwischenblutungen auslösen kann.

Wer regelmäßig CBD nimmt, fährt mit reinen Gestagenpräparaten wie der Dreimonatsspritze (DMPA) womöglich besser.

Wichtig: Wer zusätzlich Tabak raucht, könnte die Wirksamkeit von Verhütungsmitteln in Kombination mit CBD noch weiter beeinträchtigen. Und hormonelle Verhütung plus Tabak erhöht vor allem das Risiko für verschiedene Gesundheitsprobleme.

Pille und Cannabis: Wie stark ist die Wechselwirkung wirklich?

Denk daran, dass Beipackzettel von Verhütungsmitteln eine lange Liste möglicher Nebenwirkungen aufzählen, von harmlosen wie Zahnfleischbluten bis zu Augenbeschwerden und Lichtempfindlichkeit. Diese Warnungen stehen da nicht ohne Grund, auch wenn längst nicht jede Person alle davon erlebt.

Cannabis, CBD und Pille: das Fazit

Für eindeutige Aussagen über Wechselwirkungen zwischen CBD und Verhütungsmitteln reicht die Datenlage derzeit nicht. Es gibt einzelne Studien, aber noch keine klaren Ergebnisse.

Trotzdem ist Vorsicht angesagt, wenn du CBD und hormonelle Verhütung kombinierst. Nimmst du regelmäßig CBD, können Gestagenpräparate und/oder Kondome eine sinnvolle Alternative sein. Sprich am besten mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.