Genotyp und Phänotyp bei Cannabis: der Unterschied und wie Pheno Hunting funktioniert
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Genotyp und Phänotyp bei Cannabis: der Unterschied und wie Pheno Hunting funktioniert

Das Erbgut liefert die Möglichkeiten, die Umwelt entscheidet, was davon im Glas landet – und mit Stecklingen findest du deinen Lieblings-Pheno.

VON CosechaLibre Redaktion5 MIN LESEZEIT

Der Genotyp ist das Erbgut einer Pflanze, der Phänotyp das, was daraus in ihrer Umgebung tatsächlich wird: das, was du am Ende siehst, riechst und rauchst. Viele Grower werfen die beiden Begriffe durcheinander, wenn sie über Cannabis reden. Hier klären wir den Unterschied ein für alle Mal.

Vorweg: Jedes Lebewesen hat einen Genotyp und einen Phänotyp, nicht nur dein Gras. Aber was genau unterscheidet Genotyp und Phänotyp?

Genotyp und Phänotyp: Was steckt hinter den Begriffen?

Was ist der Genotyp?

Jedes Lebewesen ist das Ergebnis der Evolution, und die läuft überall nach demselben Grundprinzip. Was heißt also Genotyp? Der Genotyp, also das Erbgut, enthält sämtliche genetischen Infos, die Wachstum, Aussehen und alle späteren Eigenschaften der Pflanze festlegen. Wichtig: Ein Genotyp legt eher eine Bandbreite an Möglichkeiten fest als ein fixes Ergebnis.

Welche Teile dieses Programms anspringen, hängt vor allem von der Umgebung ab, in der die Pflanze wächst. Aus dem Zusammenspiel von Genotyp und Umwelt entsteht dann der Phänotyp.

Anders gesagt: Der Phänotyp ist die körperliche Ausprägung bestimmter Gene, die von der Umwelt aktiviert werden.

Was ist der Phänotyp?

Zurück zum Cannabis-Anbau: Was bedeutet Phänotyp hier konkret? Der Phänotyp einer Pflanze entscheidet unter anderem über Geschmack, Wirkung und das Aussehen einer Sorte.

Kurz gesagt: Mit Phänotyp meint man die sichtbaren, messbaren Merkmale einer Pflanze.

Warum beschreibt man Cannabis-Sorten über den Phänotyp?

Cannabis-Sorten werden über den Phänotyp beschrieben, weil viele von uns eine bestimmte Mischung aus Eigenschaften verschiedener Sorten mögen. Deshalb können Züchter gezielt eine Sorte auf Basis genau dieser Lieblingsmerkmale aufbauen.

Richtig spannend wird es beim sogenannten Pheno Hunting, der Phänotyp-Jagd. Dabei sucht der Grower innerhalb einer Gruppe von Pflanzen derselben Sorte nach den besten Einzelpflanzen.

Was der „beste Phänotyp“ ist, entscheidest du selbst: Es kann um jedes Merkmal gehen, das dir wichtig ist. Das, wonach Pheno Hunter suchen, zeigt sich an der Cannabispflanze meistens erst, wenn sie in die Blüte geht.

Pheno Hunting richtet sich immer nach den Auswahlkriterien des Growers oder Züchters. Typisch sind Aroma, Wuchsgeschwindigkeit, Potenz und Ertrag.

Phänotypen selektieren: Schritt für Schritt

Bevor du mit der Phänotyp-Suche loslegst, brauchst du ordentlich Platz, genug Töpfe für mehrere Runden Stecklinge, Licht und Dünger für gesunde Pflanzen sowie einen Ort zum Trocknen und Fermentieren der Ernte. Das Zusammenspiel von Genotyp und Umwelt entscheidet hier mit darüber, ob du deine Ziele erreichst.

Damit du dir keine falschen Hoffnungen machst: Bis der gewünschte Phänotyp gefunden ist, können mehrere Pflanzengenerationen vergehen. Rechne mit mindestens 9 Monaten.

Schritt 1: Samen aussäen

Zuerst wählst du die Sorten aus und säst sie aus. Beschrifte alles sauber, damit du immer weißt, welche Pflanze welche ist. Für den Anfang reichen Holzstäbchen im oder am Topf, später kannst du auf richtige Pflanzenschilder umsteigen, sobald die Pflanzen groß genug sind.

Schritt 2: Stecklinge von der ersten Runde nehmen

Nach der Keimung ziehst du die Pflanzen ganz normal groß. Nach etwa 4 bis 6 Wochen haben sie eine gewisse Größe und jede Menge gesunde „echte Blätter“ gebildet: Das ist das Zeichen, dass es Zeit für Stecklinge ist. Bewurzeln kannst du sie auf verschiedene Arten, etwa in Erde, Steinwolle oder Wasser.

Mit Stecklingen aus deiner frisch gesäten Runde bekommst du von jeder Pflanze eine biologische Kopie. Solange die Bedingungen ähnlich bleiben, zeigen die Stecklinge genau dieselben Eigenschaften wie die Mutterpflanzen, von denen sie stammen.

Schritt 3: Stecklinge getrennt weiterziehen

Jetzt hast du doppelt so viele Pflanzen. Als Nächstes richtest du für die Stecklinge einen eigenen Anbaubereich ein.

In der Zwischenzeit bilden deine Mutterpflanzen Buds, die du probieren kannst, um herauszufinden, welche Phänotypen dir bei Geschmack und Wirkung am meisten zusagen. Sobald auch die Stecklinge Buds ansetzen, kannst du testen, wie sie auf künftige Stressfaktoren reagieren.

Schritt 4: Die erste Runde in die Blüte schicken

Stell den Lichtzyklus auf 12/12 um, damit die Mutterpflanzen in die Blüte gehen. Je nach Sorte brauchen sie 8 bis 12 Wochen bis zur Reife.

Schritt 5: Männliche Pflanzen aussortieren

Sobald du auf Blüte umgestellt hast, achte auf jedes Anzeichen männlicher Pflanzen. Die Weibchen bilden harzige Buds voller Terpene und Cannabinoide, die Männchen dagegen kleine Pollensäcke. Wenn die aufplatzen, fliegt Pollen herum und bestäubt die weiblichen Blüten.

Entdeckst du ein Männchen, raus damit. Leider musst du dann auch den Steckling dieses Phänotyps entsorgen.

Schritt 6: Nach den gewünschten Merkmalen suchen

Sind alle Männchen weg, hast du einen Schrank voller blühender Mutterpflanzen und einen zweiten mit Stecklingen in der Wachstumsphase. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.

Schritt 7: Unerwünschte Phänotypen aussortieren

Zeit fürs Ausmisten. Hast du deine Favoriten gefunden, fliegen alle Pflanzen raus, die deine Erwartungen nicht erfüllt haben. Und nicht vergessen: Der passende Steckling kommt gleich mit weg.

Schritt 8: Das Ganze wiederholen

Jetzt bist du schon fast Phänotyp-Profi und hast mehrere Möglichkeiten. Zuerst nimmst du neue Stecklinge von deiner ersten Stecklingsrunde. Die haben exakt dieselben Merkmale wie ihre Vorgänger. Beschriften und ab damit in einen Schrank oder Raum in der Wachstumsphase.

Danach kannst du die erste Stecklingsrunde in die Blüte schicken oder sie entfernen, um Platz für die neuen Stecklinge zu schaffen, mit denen du weiter experimentierst.

Hast du genau das gefunden, wonach du suchst, kannst du von deinem Lieblings-Phänotyp laufend Stecklinge nehmen und hast so immer Nachschub von dem Gras, das dir am besten gefällt.

Du kannst auch mehrere davon zur Samengewinnung anbauen und sie anschließend mit einer anderen Cannabis-Genetik kreuzen. So entstehen neue Sorten und Phänotypen, die genau deinen Vorlieben entsprechen.

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