Wasserverbrauch von Cannabis: Was der Anbau Flüsse und Böden kostet
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Wasserverbrauch von Cannabis: Was der Anbau Flüsse und Böden kostet

Strom indoor, Wasser und Pestizide outdoor: was Cannabisanbau mit der Umwelt macht und wo Hanf ihr sogar hilft.

VON CosechaLibre Redaktion4 MIN LESEZEIT

Ja, Cannabisanbau belastet die Umwelt: Indoor vor allem durch Stromverbrauch und CO2, outdoor vor allem durch Wasserverbrauch und Pestizide, die in Flüsse und Grundwasser gelangen. Eine ausgewachsene Pflanze kann laut einer Studie aus Oregon bis zu 22,7 Liter Wasser am Tag ziehen. Gleichzeitig hat Hanf auch ökologische Pluspunkte. Die Cannabispflanze wird seit der Antike weltweit angebaut und seit Jahrtausenden medizinisch und zum Genuss genutzt. In Argentinien hat der Kongress ein Gesetz verabschiedet, das die Branche für medizinisches Cannabis und Industriehanf regelt, und das Land macht seine ersten Schritte in Produktion, Vermarktung und Export. Damit stellt sich die große Frage: Was macht das mit der Umwelt?

Indoor oder outdoor: zwei Arten, Cannabis anzubauen

Drinnen (Indoor)

Der Anbau in Innenräumen (Gewächshäuser eingeschlossen) gibt dir volle Kontrolle über alles, was die Pflanzen betrifft, etwa Licht und Temperatur. Dafür ist er teurer, frisst mehr Energie und hat entsprechende Folgen für die Umwelt. Den ökologischen Fußabdruck der Landwirtschaft insgesamt zu senken, ist entscheidend für eine nachhaltige Zukunft.

Cannabispflanzen im Indoor-Anbau unter Kunstlicht

Draußen (Outdoor)

Der Anbau unter freiem Himmel ist die traditionelle, ursprüngliche Methode. Er ist günstig, hängt aber von Wetter und natürlichen Ressourcen ab. Falscher Umgang mit Boden, Wasser und Schädlingsbekämpfung kann ernste Umweltprobleme verursachen.

Wie belasten Indoor- und Outdoor-Anbau die Umwelt?

  • Jede Variante wirkt anders auf die Umwelt. Laut einer Arbeit in Nature Sustainability entsprechen die Emissionen für ein Kilo Indoor-Cannabis in etwa dem Verbrennen von bis zu 2.000 Litern Benzin. Eine Schätzung, über die New Scientist berichtete, beziffert den CO2-Fußabdruck großer Indoor-Produktionen auf 2,2 bis 5,1 Tonnen CO2 pro Kilo getrockneter Blüten.
  • Outdoor-Anbau dagegen braucht bis zu 140-mal weniger Strom als Indoor, so eine Studie der Arbeitsgruppe für umweltfreundliche Praktiken im Cannabisanbau in Oregon, USA. Gleichzeitig warnen die Autoren vor dem Wasserverbrauch: Eine ausgewachsene Cannabispflanze könne in einer 150-tägigen Saison bis zu 22,7 Liter Wasser pro Tag verbrauchen, fast doppelt so viel wie ein Weinstock.

Trotzdem fehlen bisher systematische Grundsätze für nachhaltigen Cannabisanbau, weil die Umweltfolgen noch nicht klar sind. Mit der beispiellosen Legalisierung in einigen Ländern wird eine umfassende Umweltbewertung dringend nötig.

Kann Hanf der Umwelt auch nützen?

So viel zu den Risiken, die Pflanze hat aber auch ökologische Pluspunkte. Ein Forscher der Universität Cambridge sagte, Hanfanbau könne CO2 aus der Atmosphäre „doppelt so effektiv wie Wälder“ binden und gleichzeitig CO2-negative Biomaterialien für Architektur und Design liefern.

Industriehanf, der wegen seines geringen THC-Gehalts nicht psychoaktiv ist, kann auch Böden zugutekommen: Er wächst nachweislich auf stark belasteten Flächen und kann sie sanieren, wo andere Nutzpflanzen keine Chance hätten.

Hanf kann außerdem die negativen Folgen der Landwirtschaft abfedern und nachhaltige Entwicklung in anderen Branchen ermöglichen: Er ersetzt verschiedene Rohstoffe, denn aus seinen Fasern lassen sich biologisch abbaubare Textilien, Papier und Kunststoffe herstellen.

Cannabispflanze am 48. Blütetag

Drei Umweltprobleme beim Cannabisanbau

Hoher Wasserbedarf

Cannabis ist eine wasser- und nährstoffhungrige Kultur und braucht pro Saison doppelt so viel Wasser wie Mais, Soja oder Weizen. Im Schnitt verbraucht eine Pflanze schätzungsweise 22,7 Liter am Tag während der Wachstumsperiode. Der tatsächliche Tagesverbrauch schwankt je nach Standort, Boden, Klima und Anbauform, aber dass Cannabis sehr viel Wasser braucht, ist unbestritten. Mit wachsender Bevölkerung und Klimawandel dürfte der hohe Wasserbedarf der Landwirtschaft die Wasserknappheit in absehbarer Zeit noch verschärfen.

Der hohe Bedarf setzt die Wasserquellen unter Druck. Verbreitet ist die Umleitung von Wasser, also das Abpumpen oder Umleiten aus einem Einzugsgebiet in ein anderes, um die Felder zu bewässern. Das löst zwar das Wasserproblem für den Anbau, schafft aber neue.

Wasserverschmutzung

Hanfanbau, vor allem illegaler, kann die Wasserqualität verschlechtern. Pestizide (darunter Herbizide, Insektizide, Fungizide, Nematizide und Rattengift), die routinemäßig gegen Schädlinge und Krankheiten ausgebracht werden, gelangen ungehindert ins Wasser und sind ein erhebliches Risiko für Gewässer. Wohin Dünger und Pestizide am Ende wandern, ist unterschiedlich.

Stickstoff und Pestizide können zum Beispiel bei Regen oder zu starker Bewässerung abfließen oder ins Grundwasser sickern. Wird das belastete Wasser weiter genutzt, landen die Schadstoffe in Boden, Oberflächen- und Grundwasser. So können die Chemikalien über die Nahrungskette Menschen und Nutzpflanzen gefährden.

Folgen für Gewässer-Ökosysteme

Umleitung und Verschmutzung treffen das ganze Ökosystem im Wasser. Der hohe Wasserbedarf des Cannabisanbaus in Flusseinzugsgebieten setzt Tieren wie Fischen und Amphibien stark zu, denn der Anbau ist oft genau dort verbreitet, wo flussabwärts empfindliche Wasserarten leben.

Alle Produzenten müssen beim Thema Wasser an einem Strang ziehen, denn veränderte Abflüsse gehören zu den größten Bedrohungen für die Artenvielfalt im Wasser. Und die Cannabisbranche entwickelt sich zu einem großen Sünder beim Umleiten von Wasser.

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