
Cannabis und Testosteron: Senkt Kiffen den Testosteronspiegel?
Eine große US-Studie fand bei Kiffern sogar leicht höhere Testosteronwerte, häufiger Konsum bringt aber andere Probleme für Libido und Sexleben mit.
Die Forschung zu Cannabis und Testosteron ist uneinheitlich: Eine große US-Studie (NHANES 2011–2016) fand bei Männern, die THC konsumieren, sogar leicht höhere Testosteronwerte, während häufiger, starker Konsum mit weniger Lust, Erektionsproblemen und einer geringeren Spermienzahl in Verbindung gebracht wird. Ein simples „Kiffen senkt“ oder „Kiffen hebt“ gibt es also nicht, und die Häufigkeit scheint eine Rolle zu spielen. Das Thema interessiert Wissenschaft und Konsumenten gleichermaßen.
Cannabis mit seinen Wirkstoffen wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) ist in zahlreichen Studien darauf untersucht worden, wie es verschiedene Körperfunktionen beeinflusst, auch die Hormonproduktion.
Was ist Testosteron überhaupt?
Testosteron ist ein zentrales männliches Sexualhormon und an vielen Körperfunktionen beteiligt, von der Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale bis zur Regulierung von Stimmung und Energie.
Je mehr Länder Cannabis legalisieren und je selbstverständlicher es wird, desto mehr Leute wollen wissen, wie der Konsum den Hormonhaushalt beeinflusst, vor allem das Testosteron.
Einige Studien deuten auf mögliche Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und veränderten Testosteronwerten hin, die Ergebnisse sind aber gemischt und oft widersprüchlich.

Was eine Studie zu Cannabis und Testosteron zeigt
Eine neuere Studie auf Basis der US-Gesundheits- und Ernährungserhebung NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey) aus den Jahren 2011 bis 2016 hat den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Testosteronwerten bei Männern unter die Lupe genommen.
Die Studie mit 5.146 männlichen Teilnehmern lieferte interessante Ergebnisse dazu, wie Cannabis die Testosteronproduktion beeinflussen könnte.
Von den befragten Männern hatten 3.027 mindestens einmal im Leben Cannabis konsumiert. Fast die Hälfte davon (49,3 %) wurde als regelmäßige THC-Konsumenten eingestuft. THC ist der wichtigste psychoaktive Wirkstoff im Cannabis.
Senkt Kiffen das Testosteron oder erhöht es?
Die Forscher stießen auf ein auffälliges Muster: Bei regelmäßigen THC-Konsumenten lag der Testosteronspiegel moderat, aber signifikant höher als bei Männern, die nicht regelmäßig kifften.
Mit der Häufigkeit stieg der Wert allerdings nicht weiter an: Am deutlichsten war das Plus bei Männern, die zwei- bis dreimal im Monat Cannabis konsumierten. Sie hatten signifikant höhere Testosteronwerte als Nichtkonsumenten.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass THC-Konsum bei Männern mit leichten, aber messbaren Testosteronanstiegen einhergeht.
Zwar wurde der Anstieg kleiner, je häufiger konsumiert wurde, die Testosteronwerte regelmäßiger Konsumenten blieben aber trotzdem höher als die von Männern, die gar kein Cannabis nehmen.

Nebenwirkungen: Cannabis, Testosteron und Sex
Cannabis wird für seine Freizeit- und medizinische Wirkung geschätzt, kann sich aber auch negativ aufs Sexleben auswirken, vor allem bei häufigem Konsum.
Sexuelle Nebenwirkungen zeigen sich zum Beispiel als wenig Energie und wenig Lust, möglicherweise beeinflusst durch die Wirkung auf Testosteron und die Hormone der Hirnanhangdrüse.
Was passiert bei Männern?
Bei Männern wird häufiger Cannabiskonsum mit geringer Libido, Erektionsstörungen und Problemen beim Orgasmus in Verbindung gebracht. Bei Frauen können sich dagegen die Progesteron- und manchmal auch die Östrogenwerte verschieben, was sich in Zyklusstörungen und depressiver Stimmung äußern kann.
Intensiver Konsum über lange Zeit kann diese Nebenwirkungen verstärken und weitere psychische Probleme nach sich ziehen, etwa Panikattacken, Angst, Gedächtnisprobleme und sogar psychotische Episoden.
Außerdem wird zwanghafter Cannabiskonsum mit einer niedrigen Spermienzahl bei Männern und Zyklusunregelmäßigkeiten bei Frauen in Verbindung gebracht.
Cannabis und Testosteron: Und was ist mit CBD?
Wichtig: Cannabidiol (CBD), das in manchen Sorten steckt, kann anders wirken als Tetrahydrocannabinol (THC), der bekannteste psychoaktive Wirkstoff.
Wie CBD und andere Cannabinoide die Sexualfunktion genau beeinflussen, muss aber noch besser erforscht werden.
Unterm Strich: Cannabis kann manchen Menschen Entspannung und Genuss bringen, du solltest aber die möglichen Folgen für deine sexuelle Gesundheit im Blick behalten, besonders bei häufigem und langem Konsum.
Wenn du merkst, dass dein Sexleben unter dem Kiffen leidet, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, damit du die passende Beratung und Unterstützung bekommst.
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